In China essen sie Hunde

Dienstag, 3 März 2009, 1:15 | Kategorie : Tipps |
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Ja, tun sie. Bestimmt. Irgendwo. China ist schliesslich gross, die Geschmaecker sind verschieden, irgendwo werden sie dann wahrscheinlich auch Hund essen. Persoenlich habe ich aber noch nicht die Erfahrung gemacht. Obwohl, in Kambodscha habe ich mal ein Steak gegessen… Das hat irgendwie so gar nicht nach Rind geschmeckt. Wer weiss, vielleicht also doch.

Hier in China konnte ich es bislang jedoch vermeiden. Nie stand ich vor der Wahl: Hund oder Hungertod. Stattdessen ertappe ich mich des oefteren bei dem Gedanken, dass ich doch mal wieder was richtig chinesisches essen sollte. Hier in China.

Ich lebe natuerlich nicht im Hinterland, sondern in Shanghai. 18 Millionen Einwohner. Davon 70.000 Auslaender. Und das sind sogar nur die mit offizieller Arbeitserlaubnis. Ob da die Ehepartner und Kinder mit inbegriffen sind, weiss ich nicht. Hinzu kommen aber auf jeden Fall noch zig Tausende Studenten und ein paar Dauer-Touristen. Entsprechend international ist Shanghai – auch was das Essen angeht.

Auf www.cityweekend.com.cn findet man allein 10 deutsche Restaurants in Shanghai. In Peking sind es gar 14. Und schaut man nach italienischen Restaurants sind es in Shanghai sogar ueber 100. Hinzu kommen franzoesische, spanische, brasilianische, arabische, thailaendische, japanische, koreanische… Ein positiver Nebeneffekt hierbei ist, dass das Preisniveau dieser Restaurants irgendwo zwischen Deutschland und China liegt, d.h. man kann hier auch dann relativ preiswert essen, wenn man gerade mal keine Lust auf Chinesisch hat.

Deutsches Restaurant "Der Landgraf" in Peking

Wobei das eigentlich tolle an der chinesischen Kueche ist, dass sie in sich auch extrem vielfaeltig ist. Wie anfangs bereits gesagt, China ist schliesslich gross. Und das Essen in Nordchina hat mit der suedchineischen Kueche in etwa so viel zu tun wie deutches Essen mit spanischem. Im aeussersten Nord-Westen des Landes beispielsweise, in der Xingjiang Provinz, aehnelt das Essen eher der tuerkischen oder arabischen Kueche. Im Norden fuehlt man sich als Deutscher kulinarisch gleich heimisch, denn dort stehen Kartoffeln auf dem Speiseplan. Im Sueden wird gern suess gegessen, in der Mitte scharf und das, was man in Deutschland beim Chinesen vorgesetzt bekommt, wird eigentlich nirgendwo gegessen. Das beruehmte “Chop Suey”, habe ich mal gelesen, ist uebrigens eine amerikanische Erfindung.

Bier. Wichtig. Ist zwar keine deutsche Erfindung, wurde aber natuerlich von uns nach China gebracht. Und zwar waren es deutsche Siedler, die 1903 in der Stadt Qingdao eine Brauerei errichteten und somit den Grundstein fuer den chinesischen Bierkonsum legten. Heute ist die Tsingtao-Brauerei die groesste des Landes und die zehntgroesste der Welt. Sie gehoert zu 45 Prozent dem Staat und zu 19 Prozent dem japanischen Brauereikonzern Asahi. Wenn man die politischen Spannungen zwischen China und Japan bedenkt, dann koennte man fast meinen: Alkohol ist doch eine Loesung. Neben Tsingtao gibt es noch eine Reihe weiterer trinkbarer Biere in China. Da waeren beispielweise Suntory aus Shanghai oder Yanjing aus Peking. Ja, und auch hier gibt es dann noch zahlreiche altbekannte Marken wie Paulaner und Hofbraeu, die beide hier im eigenen Brauhaus gebraut werden, sogar Koelsch, was ich letztens bei Carrefour im 5-Liter-Faesschen entdeckt habe oder die ganzen anderen Kollegen aus Belgien, Holland, Daenemark, Australien, den USA…

Aber zurueck zum Essen. Selber kochen kann man natuerlich auch. An Zutaten mangelt es naemlich nicht. Da waeren zum einen die chinesischen Maerkte, meist in ziemlich marode wirkenden Blech-Hallen untergebracht, wo man insbesondere Obst- und Gemuese spottbillig einkaufen kann. Soll es etwas hygienischer (Fleisch, Fisch) oder spezieller sein, dann wird man in den in- und auslaendischen Supermaerkten wie Carrefour, Tesco, Wal Mart oder METRO fuendig. Meist verfuegen diese Supermaerkte auch ueber eine recht gut sortierte Import-Abteilung, wo man dann auch Kaese, Kapern oder eben Koelsch findet. Hinzu kommen dann noch reine Import-Geschaefte wie City Shop in Shanghai oder Jenny Lou’s in Peking, wo dann auch die ganz speziellen Dinge vorraetig sind. Hier wird es dann allerdings auch schonmal recht teuer. Die 500g Quark, die ich mal fuer einen Kaesekuchen gekauft haben, kosteten beispielweise umgerechnet 7 Euro.

So, nachdem wir Bier schon abgehandelt haben, bleibt noch ein anderen ur-deutsches Thema: Brot. Hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass es in Shanghai weitaus einfacher ist, richtiges gutes Brot zu bekommen, als beispielsweise in Frankreich. Baguette in allen (A)Ehren, aber mit einem richtigen deutschen Schwarz- oder Graubrot kann Baguette allenfalls im Peugeot-Crash-Test konkurrieren. In Shanghai jedenfalls gibt es die deutsche Baeckerei Abendbrot, ueber deren Website man sich das Brot und andere leckere Dinge wie beispielweise Nussecken oder Mohnkuchen sogar liefern lassen kann. Da die Franzosen in Hinblick auf China aber zurzeit wahrlich genug leiden, sei zumindest noch die Boulangerie Paul empfohlen, wo man wirklich die besten Kuchen und Tartes in Shanghai bekommt.

Jetzt versuche ich gerade krampfhaft nochmals den Hund aufzgreifen. Das Fazit, das man hier also nicht vor die Hunde geht, scheint mir ein bisschen platt… Daher weise ich zum Schluss lieber noch auf die Gruenkoehltour hin, eine norddeutsche Sitte, die hier gestern bei autentischen Rahmenbedingungen – es herrschte richtiges Hundewetter (!) – von der deutschen Expat-Gemeinde nachgeahmt wurde. :o )

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