Schriftzeichen, Lautschrift & Aussprache

Montag, 9 März 2009, 23:17 | Kategorie : Tipps |
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Im vorigen Blog-Eintrag hatte ich bereits die chinesischen Schriftzeichen thematisiert, die fuer die meisten von uns Auslaender wohl ein Buch mit sieben Siegeln sind.

Aber auch Chinesen bekommen dieses Wissen nicht in die Wiege gelernt. So bueffeln chinesische Schulkinder 6 Jahre, um 3000 Schriftzeichen zu erlernen. Diese Menge reicht, um etwa die Tageszeitung lesen zu koennen. Gebildete Chinesen, so sagt man, beherrschen 6.000 und mehr Schriftzeichen. Wer weniger als 1.500 Schriftzeichen beherrscht, gilt in China als Analphabet. Insgesamt gibt es uebrigens ca. 50.000 chinesische Schriftzeichen.

Nun gibt es in China aber neben den Schriftzeichen (Hanzi) auch eine Lautschrift, die Pinyin genannt wird. Mit Hilfe dieser Lautschrift schreibt man beispielweise auf einer Computertastatur. D.h. man tippt die Lautschrift jeder Silbe ein und bekommt dann vom Computer die jeweiligen Schriftzeichen zur Auswahl angeboten. Nun hat aber die Silbe bzw. das Wort “ma” – laut meinem wahrscheinlich unvollstaendigen Woerterbuch – allein 18 verschiedene Bedeutungen bzw. gibt es 12 Schriftzeichen die allesamt als “ma” ausgesprochen werden. Man muss sich also aus diesen infrage kommenden Schriftzeichen das richtige rauspicken und weiter geht’s mit der naechsten Silbe. Das klingt unheimlich kompliziert, aber Chinesen haben hier eine solche Routine entwickelt, dass sie genauso schnell eine Seite tippen wie wir mit unserem nur 26 Buchstaben umfassenden Alphabet.

Wenn ich gerade geschrieben habe, dass “ma” 18 verschiedene Bedeutungen hat (u.a. Mutter, putzen, Hanf, Pferd, schimpfen…), dann stimmt das nur zum Teil. Denn “ma” ist nicht gleich “ma”. Es gibt fuenf verschiedene “ma”. Und zwar: mā, má, mă, mà und ma. Wie man an den verschiedenen Akzenten auf dem “a” sehen kann, gibt es in China fuenf verschiedene Moeglichkeiten einen Vokal zu betonen:

Die chinesischen Betonungen

Da diese Betonungen fuer die Bedeutung eines Wortes gravierende Unterschiede ausmachen koennen, sollte man aufpassen was oder besser wie man etwas sagt. Beispielweise habe ich damals von meiner chinesischen Chefin den tollen Namen Ōu Yáng verpasst bekommen. Das heisst so viel wie Sonne Europas. Unachtsam wie ich bin, habe ich mich aber oefters als Ōu Yàng vorgestellt. Also ein fallendes anstatt steigendes Yang. Und so wurde aus der Sonne Europas die Krankheit Europas…

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