Forever Bicycles, Bicycles Forever

Samstag, 20 Februar 2010, 15:50 | Kategorie: Stories |
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Forever Bycicles by Ai WeiWeiForever Bicycles nennt sich eine Installation des chinesischen Kuenstlers Ai WeiWei aus dem Jahr 2003, die aus 42 Fahrraedern zusammengesetzt ist. Forever Bicycles ist auch der Name einer chinesischen Fahrradmarke, die bereits 1940 in Shanghai gegruendet wurde und noch heute zu den wichtigsten Herstellern im Lande gehoert. Und, Forever Bicyles klingt nach Nostalgie, denn auch wenn noch heute, im Jahr 2010, allein in Shanghai 10 Millionen Fahrraeder die Strassen befahren, so sind es doch mehr und mehr die Autos, die ihnen den Rang ablaufen und das Stadtbild dominieren.

Nichtsdestotrotz assozieren wir China immer noch ganz besonders mit Fahrraedern. Dieses Bild hat sich in unseren Kopefen manifestiert. Und vor dreissig Jahren mag dies auch noch gestimmt haben. Ein “Drahtesel” gehoerte zur Grundausstattung. Die Fahrraeder der Marke Forever Bicycles spielten dabei eine besondere Rolle: Sie waren ein Prestigeobjekt. Wer etwas auf sich hielt, der musste neben einem Radio der Marke Rotlicht, einer Shanghai-Uhr sowie einer Butterfly-Naehmaschine auch ein Forever-Fahrrad besitzen.

Doch die Zeiten haben sich geaendert, der Trend ist laengst ein gaenzlich anderer… (weiterlesen…)

Video: Fahrradwerfer verhindert Diebstahl

Mittwoch, 20 Januar 2010, 0:07 | Kategorie: Videos |
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Das ist wieder so eine kuriose Geschichte wie sie irgendwie nur im verrueckten China passieren konnte:

Eine junge Frau spazierte unbekuemmert ueber eine Strasse in der chinesischen Stadt Wenzhou. Da rauschten ploetzlich zwei Diebe auf einem Motorroller herbei und entrissen der ueberraschten Frau ihre Handtasche. “Hilfe, Hilfe!”, schrie die Frau…

Ja, und was dann passierte, seht Ihr am besten selbst in dem folgenden Video – aufgezeichnet von einer nahen Ueberwachungskamera. (weiterlesen…)

Fahrraddiebe

Montag, 7 September 2009, 22:49 | Kategorie: Stories |
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Fahrräder in China“Fahrraddiebe” ist ein italienischer Klassiker der Filmgeschichte von Vittorio de Sica aus dem Jahr 1948. Die Story ist im Nachkriegs-Rom angesiedelt und handelt – sehr grob zusammengefasst – von einem Tageloehner, der sich auf die Suche nach seinem geklauten Fahrrad begibt.

2001 gibt es eine Art Remake dieses Films: “Beijing Bicycle” ist eine chinesische Produktion von Wang Xiaoshuai, die das Geschehen nach China verlegt, nach Peking, Stand- bzw. Fahrort von 10 Millionen Fahrraedern. Die Story ist mehr oder weniger die gleiche, der Tageloehner natuerlich nun Chinese und das Fahrrad inzwischen ein modernes Mountain-Bike.

2005 verbringe ich ein halbes Jahr in eben diesem Peking. Zwar nicht als Tageloehner, sondern als Student, aber auch ich brauche ein Fahrrad. Neben der U-Bahnhaltestelle werde ich fuendig. Dort bietet ein Fahrrarhaendler auch ein Exemplar fuer meine Groesse an, in schniekem Silber. Nach einer zaehen Verhandlung bekomme ich den gewuenschten Korb gratis dazu und habe nun fuer 250 RMB mein erster Rad in China erstanden.

Gleich mache ich mich zu einer Erkundungstour durch den Haidian Distrikt auf, fahre vorbei an der Peking Universitaet, nach Zhongguancun und werde ob des warmen Wetters schnell durstig. Ich halte vor einem Supermarkt, schliesse mein Rad an ein Gelaender, gehe in den Laden, komme maximal 5 Minuten wieder mit einer Flasche Wasser raus und… “Ey Mann, wo is mein Fahrrad!?”

Tja, so kann’s gehen. Und leider wird es so noch mehrer Male gehen. Ganze fuenf Raeder habe ich waehrend eines Semesters in Peking besessen. Keines jedoch laenger als ein paar Wochen. Eines wird mir sogar von einem bewachten Fahrradparkplatz geklaut. Und das obwohl ich der mehr oder weniger wachsamen Security-Omi 5 Mao fuer ihren Wachdienst gezahlt habe. Versichert ist das Rad fuer die 5 Mao natuerlich nicht… Das letzte Rad kostet mich 40 RMB und mehr ist es auch nicht wert. Aber es erfuellt seinen Zweck: Es faehrt und es wird nicht geklaut. Letzteres mag am unattraktiven Aeusseren liegen, denn die Gurke sieht so schaebig aus, dass der Dieb wohl nicht das Risiko eingehen moechte, mit so einem moeglicherweise fahruntuechtigen Rad die Flucht ergreifen zu muessen.

Verloren hab ich es zum Schluss dennoch, weil ich damit irgendwann zu einer Party fuhr und mich einige Stunden spaeter – es morgengraute schon – partout nicht dran erinnern konnte, wo ich es denn bloss abgestellt hatte….

2009. Die Zahl der Fahrraeder auf den Strassen hat merklich abgenommen. Dennoch bleibt Fahrraddiebstahl ein aktuelles Thema.

Wieder Ortswechsel. Diesmal geht’s nach Shenyang, wo die Fahrraddiebe laut einem Artikel der Liaoshen Evening News derart ausser Rand und Band sind, dass man nun zu unkonventionellen Methoden greift. Ich moechte sagen, fast nach meinem Vorbild. Und zwar bieten dort die Fahrradhaendler und -werkstaetten nun einen Service an, der paradox scheint, aber wohl aeussert effektiv ist. Und zwar ramponieren sie auf Wunsch die neu erstandenen bzw. zu reparierenden Fahrraeder bis sie fuer den Dieb nicht mehr attraktiv scheinen. Zum Beleg berichtet die Zeitung von drei Kunden, die innerhalb einer Stunden bei solch einem Haendler erschienen und “ein Mal Vandalismus, bitte” bestellten.

Und bei mir in Shanghai? Ich besitze nun schon seit ein paar Monaten (!) ein blau-silber Mountain-Bike, das ich mir fuer 700 RMB in dem franzoesischen Sportladen Decathlon (ja, gibt’s auch in China) erstanden habe. Fuer weitere 200 RMB – und damit fast so viel wie mein erstes Rad in China kostete – habe ich mir ein selbstprogrammierbares Zahlenschloss (!) dazu gekauft. Das laesst sich hoffentlich nicht so leicht knacken. Ausserdem nehme ich das Rad immer mit in den 20.Stock, wo es so sicher wie nur geht auf meinen Balkon parkt und so blau und silber strahlt wie am ersten Tage.