Unbekannter Obdachloser wird zur Mode-Ikone

Dienstag, 9 März 2010, 18:03 | Kategorie : Stories |
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Bro Xili, unbekannter Obdachloser wird zur Mode-IkoneDas Foto könnte einem Modekatalog entnommen sein: Ein gut aussehender Chinese schreitet mit lässigem und selbstbewussten Gang über eine Straße, die Haare ungebändigt, wild, den Blick in die Ferne gerichtet. Er trägt einen langen Mantel, offen, vom Winde verweht…

Ja, der Mann könnte ein Model sein. Tatsächlich aber ist es ein unbekannter Obdachloser, der nichts ungewöhnlicheres tut als eines Tages im Januar ziellos eine Straße in der chinesischen Küstenstadt Ningbo entlang zu laufen. Doch tut er dies just in dem Moment als in einem nahen Kameraladen ein junger Hobbyfotograf eine Sony auf ihre Tauglichkeit testet und – eher wahllos – durch die Gegend knippst. Der junge Mann entscheidet sich für den Kauf der Kamera, macht weitere Fotos und kopiert diese später auf seinen Computer. Da erst fallen ihm die Schnappschüsse von dem unbekannten Obdachlosen richtig auf: Sie sind gut. Gestochen scharf, kräftige Farben, eine gute Tiefe. Er freut sich über seinen Kauf und stellt die Bilder ins Internet…

Auch dort ist man begeistert. Jedoch weniger über die Kamera oder die Künste des Fotografens, sondern viel mehr über den unfreiwilligen Protagonisten. Eine ganz besondere Aura bescheinigt man ihm, Ausstrahlung, pure Männlichkeit. Ikonisch, so finden sie den Großstadt-Cowboy. Und einer will wissen, ob der Unbekannte ein Filmstar sei.

Aber auch dem Dress wird ganz besondere Beachtung geschenkt: “Ganz eindeutig Japan-style Mix-and-Match, dabei bodenständig: ein Outfit aus dem Second-Hand-Shop, dazu eine Louis Vuitton Papiertüte unter’m Arm… Der Gürtel ein echter Hingucker, farblich perfekt akzentuiert. So etwas versteht nur, wer sich der Mode komplett hingibt.”

Die Bilder verbreiten sich wie ein Lauffeuer und bald ist nur noch vom Xili Bro (”Brother Sharp”) oder Der Prinz der Bettler oder Der attraktive Vagabund die Rede. Die Identität des Obdachlosen ist da noch nicht bekannt, was den Mythos nur noch verstärkt.

Doch schon bald melden sich die ersten, die meinen den mysteriösen Fremden zu kennen. Demnach scheint Xili Bro unter eine Art Amnesie zu leiden: Er wisse selber nicht, wer er ist, wo er herkommt. Er lebe zurückgezogen, scheue den Kontakt zu Menschen und könne sich kaum artikulieren, da er ob seiner langjährigen Isolation die Sprache verlernt habe.

Als die Geschichte immer größer wird, melden sich auch Sozialarbeiter der Stadt Ningbo zu Wort und bestätigen die Annahme, Xili Bro leide unter einer schweren psychischen Störung. Mehr, etwa die Identität, wollen sie jedoch nicht preisgeben, um ihn zu schützen. Sie mahnen, dass das Schicksal eines Bro Xili nicht trivialisiert werden solle. Obdachlose dienen nicht der Unterhaltung, sondern bedürfen vielmehr einer aufrichtigen Fürsorge.

Es ist nicht cool obdachlos zu sein, auch wenn renommierte Designer wie Vivienne Westwood oder Supermodel Erin Wasson offen zugeben, sich vom zweifelhaften Chic Obdachloser inspirieren zu lassen. Auch in dem Film Zoolander präsentiert Hauptdarsteller Ben Stiller eine Obdachlosen-Modekollektion, was hier aber wohl eher als Satire gedacht ist…

Andererseits kann man argumentieren, dass durch die Aufmerksamkeit, die Bro Xili als unfreiwillige Mode-Ikone erzeugt hat, auch ein wenig das Bewusstsein für die gesellschaftliche Randgruppe der Obdachlosen gestärkt wurde. Zwar lernen wir alle das Leistungsprinzip, dass wir unseres Glückes eigener Schmied seien, aber vor unabsehbaren Schicksalsschlägen – beispielsweise einer schlimmen Krankheit – die uns aus der Bahn werfen könnten, ist leider niemand gefeit. Dessen sollte man sich stets bewusst sein und entsprechend Menschen entgegentreten, mit denen es das Schicksal nicht so gut gemeint hat.

Für Bro Xili scheint sich das Blatt jedoch tatsächlich zum Guten zu wenden. Denn unter den Millionen von Menschen, die seine Bilder im Internet betrachtet haben, ist auch ein Mann namens Cheng Guo Sheng, der in Bro Xili seinen verschollenen Bruder erkannt haben will. Sofort reisen er und seine Mutter nach Ningbo, wo Bro Xili inzwischen in eine psychatrischen Klinik untergebracht ist. Als Cheng Guo Sheng und seine Mutter sein Zimmer betreten, entfährt diesem tatsaechlich ein “Mutter!” und “Bruder!”. Und auch die Patientenakte der Klinik stützt die freudige Nachricht. Denn dort liest sich folgender Name: Cheng Guo Rong.

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5 Kommentare for “Unbekannter Obdachloser wird zur Mode-Ikone”

  1. 1eliterator

    Verrückte Geschichte, fast schon wieder ein wenig zu phantastisch (zufälliges Foto von super gestyltem Obdachlosen? der findet dank der Aufmerksamkeit Mutter und Bruder?) um wahr zu sein..Aber man sieht, dass im Netz alles möglich ist (falls die Geschichte stimmt)..Anderenfalls ist sie ein schönes modernes Märchen..

  2. 2Chineast

    Ach hier passieren so viele verrueckte Dinge, warum nicht auch mal eine mit Happy End!? Und im chinesischen Internet ist wirklich fast alles moeglich… Naja, bis auf der Zugang zu bestimmten Seiten ;-)

    Gruss nach Berlin!

  3. 3Gladbacher

    Eine herzzerreissende Geschichte aus Fernost. Wie schön. :)

  4. 4Auch Gladbacher

  5. 5Chineast

    Yep, genauso wie die Lesben aus Schweden und David Beckham, der fuer Viagra wirbt…

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