Klimawandel: Ein-Kind-Politik die Lösung?

Dienstag, 15 Dezember 2009, 0:12 | Kategorie : Stories |
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China: Ein-Kind-Politik

Dieser Tage wird ja viel ueber den Weltklimawandel bzw. die globale Erwaermung gesprochen. In Kopenhagen tagt die UN, und folglich setzen sich auch die Medien alle mit der Frage auseinander, wie das Weltklima noch zu retten ist. Ein sehr interessanter Vorschlag stammt dabei aus Kanada:

All die Diskussionen um CO2-Reduktionen, alternative Energien, etc. gingen voellig am Thema vorbei, heisst es da. Das eigentliche Problem sei naemlich ein ganz anderes und dessen einzige Loesung eine weltweite Ein-Kind-Politik nach chinesischem Vorbild.

Es gaebe schlichtweg zu viele Menschen, begruendet Diane Francis, Redakteurin der kanadischen Financial Post, ihre gewagte These. “The real inconvenient truth“, die wirklich unbequeme Warheit, so lautet die Uebersschrift (in Anlehnung an die Klimawandel-Doku von Al Gore) ihres Leitartikels: Unsere Erde sei ueberbevoelkert, und das auch noch mit rasch steigender Tendenz. Folglich muesste hier angesetzt werden, und das koennte wie gesagt nur eines bedeuten: Ein-Kind-Politik fuer alle.

Andernfalls, so rechnet Francis vor, bevoelkerten im Jahr 2050 ueber 9 Milliarden Menschen die Erde. Und das wuerde unserem Planten endgueltig den Todesstoss versetzen.

Mit einer Ein-Kind-Politik hingegen wuerde sich die Weltbevoelkerung auf 5,5 Milliarden Menschen  im Jahr 2050 gesundschrumpfen. Gut 25 Jahre spaeter waeren es dann sogar nur noch 3,43 Milliarden.

Und abgesehen davon, dass weniger Menschen einen geringeren Energiebedarf haetten, und mit diesem geringen Bedarf weniger CO2-Ausstoss verursachen  – was einleuchtet – ginge es den Menschen so auch besser. Das zeige schliesslich das Ein-Kind-Land China, wo alle Menschen ausreichend zu Essen haetten, genauso wie eine umfassende medizinische Versorgung, Bildung und ein Dach ueber dem Kopf. Und nebst dieser sozialen Sicherheit floriere auch noch die Wirtschaft…

Mit dieser Meinung duerfte Frau Francis einerseits bei religioesen Fundamentalisten auf Widerstand stossen. Schliesslich geht die Ein-Kind-Politik mit Geburtenkontrolle und einer nicht unbetraechtlichen Zahl an Abtreibungen – in China angeblich bis zu 13 Millionen jaehrlich – einher.

Und anderen wiederum duerfte es schwer fallen ausgerechnet China zum Vorbild in Sachen Klimaschutz zu kueren, denn das Land hat nunmal den hoechsten Co2-Ausstoss weltweit.

Was der Artikel zudem verschweigt, ist die Tatsache, dass die Ein-Kind-Politik in China laengst nicht mehr als Allheilmittel gesehen wird. So bahnt sich in China ein aehnliches Problem wie in Deutschland an: Eine Ueberalterung der Gesellschaft. Ein Rentensystem ist jedoch kaum etabliert, Altersheime decken nicht ansatzweise den Bedarf. Ein weiteres Problem der Ein-Kind-Politik ist der grosse Ueberschuss an Maennern, denn abgetrieben werden in erster Linie Maedchen. So werden wohl etwa 30 Millionen maennliche Chinesen keine Braut finden.

Aber auch so duerfte der Vorschlag aus Kanada kaum Gehoer finden. Umgekehrt ist es aber ebenso unwahrscheinlich, dass die Chinesen nachgeben werden und ihre Emissionen grossartig reduzieren. Denn das Land will und braucht den wirtschaftlichen Fortschritt. Dieser wird natuerlich nicht nur mit der Ein-Kind-Politik moeglich gemacht, sondern auch mittels viel Energie, allen voran aus fossilen Energiequellen. Und diese werden sich mittelfristig kaum durch Solar- oder Windenergie ersetzen lassen.

Ausserdem, so heisst es, wuerde China unter dem Strich von einer Erderwaermung sogar eher profitieren. Die Ernten wuerden ertragreicher, die Gesundheit der Bevoelkerung sich – ob waermerer Winter und somit weniger kaeltebedingter Krankheiten – verbessern.

Dass der Vorschlag der Financial Post kaum Aussichten auf Erfolg hat, sollte aber auch der Autorin selbst nicht gaenzlich ungelegen kommen. So erspart es ihr doch zumindest einen Gewissenskonflikt. Denn Diane Francis ist Mutter. Von zwei Kindern.

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