In China essen sie (keine) Hunde

Mittwoch, 27 Januar 2010, 22:00 | Kategorie : Stories |
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Es gehoert zum Schicksal eines jeden Deutschen in China, dass man beim Heimaturlaub in Europa immer und immer wieder mit folgender Frage konfrontiert wird: “Hast Du schonmal Hund gegessen…?”

Nein, habe ich nicht. Das liegt jedoch weniger daran, dass ich grossen Ekel davor haette, sondern vielmehr an dem Umstand, dass ich noch nie Gelegenheit dazu hatte. D.h. heisst jetzt nicht, dass ich Hunde nicht mag gern habe. Im Gegenteil: Hunde sind mir weitaus sympathischer als Katzen etwa, denen ich irgendwie ein hinterlistigen Charakter unterstelle. Aber sie rangieren in meiner Gunst auch nicht dermassen weit ueber biespielsweise Kuehen oder Huehnern – die koennen im jungen Alter schliesslich auch niedlich aussehen – dass ich da jetzt einen grossen Unterschied sehen wuerde, inwiefern die einen zum Verzehr geeignet sein sollen und die anderen nicht. Fuer mich waere da vielmehr der Geschmack entscheidend, aber den kann ich ja wie gesagt in punkto Hund gar nicht beurteilen. Das habe ich wahrscheinlich gemeinsam mit all denen, die automatisch “Iiiiiiieh!” schreien…

Aber gut, jedenfalls wird China gerne mit dem Verzehr von Hundefleisch assoziiert. Und ganz aus der Luft gegriffen ist diese Annahme natuerlich nicht. Denn ja, in China essen sie Hunde. Wenn auch nicht in den Mengen wie allgemein angenommen, und auch mehr im Norden denn im Sueden. Aber gut, jeder gegessene Hund ist ein gegessener Hund zu viel! Dieser Meinung sind nicht nur Brigitte Bardot und der Collie Club Cottbus, sondern auch immer mehr Chinesen.

So berichtet der Guardian, dass chinesische Rechtsexperten sogar einen entsprechenden Gesetzesentwurf praesentieren und somit ein Verbot von Hunde- und auch Katzenfleischverzehr durchsetzen wollen.

Im Gegensatz zu frueheren Zeiten haben sie damit einen grossen Teil der (einflussreichen) Bevoelkerung auf ihrer Seite. Denn Haustiere liegen im Trend und sind ein beliebtes Statussymbol der immer groesser werdenden urbanen Mittelschicht. Wer in China etwas auf sich haelt, der geheort an die Leine – wenn auch an das andere Ende. Mein Eigenheim, mein Auto, mein Hund…

Nichtsdestotrotz polarisiert das Thema. Traditionalisten wollen sich den Verzehr von Hundefleisch nicht verbieten lassen. Schliesslich geheort Hundefleisch seit Jahrtausenden bereits zur chinesischen Kueche und verfuegt – so behaupten manche – ueber heilende Kraefte.

Die Befuerworter des Verbots zeigen sich davon jedoch unbeeindruckt. Sie fordern drastische Strafen fuer den, der Hunde schlachtet, kocht oder verzehrt: 15 Tage Gefaengnis bis hin zu (umgerechnet) 50.000 Euro Strafe schweben ihnen vor.

“Absurd”, finden dies wiederum andere und stellen die ketzerische Frage: “Warum nur Hunde und Katzen? Was ist mit Schweinen, Kuehen und Schafen?” Auch ist so mancher der Meinung, dass man sich doch zunaechst einmal um das Wohl aller Menschen kuemmern sollte, bevor man sich den Tieren zuwendet.

Letzteren Standpunkten kann ich mich nur anschliessen. Die einen essen halt gerne Hund oder Froschschenkel, haben ihren Sauerbraten am liebsten mit Pferdefleisch. Andere essen aus Ueberzeugung partout kein Rind- oder Schweinefleisch. Wer will sich da anmassen eine Linie zu ziehen? Und nach welchen Kriterien?

Ausserdem: Gibt es nicht genug menschliches Elend auf dieser Welt, dessen man sich erstmal annehmen sollte, bevor man sich um das Wohlergehen der Tiere sorgt? Und mir geht’s hierbei nicht um unnoetige Tierquaelerei, sondern um eine gewisse Rangfolge. Vielerorts krepieren tagtaeglich Menschen, sterben einen qualvollen Hungertod und waehrenddessen fragt sich so manch Herrchen, welches Hundefutter es denn heute sein darf: das Winter-Menue oder doch lieber das Schlemmerpaket…?

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4 Kommentare for “In China essen sie (keine) Hunde”

  1. 1Tarik

    Folgendes Video könnte dazu allerdings interessant sein:
    http://the-pain.net/2009/11/kranke-welt-nachtrag-zur-tierquaelerei.html

    Die Chinesen sind also nicht gerade vorbildlich, was Essgewohnheiten betrifft.
    Ich finde das erschreckend.

    Und dann ist es in meinen Augen auch kein Argument mehr, dass anderorts Menschen an Hungertod sterben oder nicht, das nimmt solchen Grausamkeiten nicht die Härte…

  2. 2Chineast

    Sorry, aber Dein Link strotzt nur so vor Halbwissen, Vorurteilen und reichlich Pauschalierung.

    Mir ging es aber abgesehen davon gar nicht um unnoetige Tierquaelerei, sondern viel grundsaetzlicher um den Verzehr bestimmter Tierarten. Und da sehe ich einfach nicht, was ein Schwein von einem Hund unterscheidet. Ausser vielleicht der Geschmack. Und Geschmaecker sind bekanntermassen verschieden.

    So sind die Chinesen vielleicht auch der Meinung, dass unsere Essgewohnheiten nicht gerade vorbildlich sind. Der Meinung duerften wahrscheinlich auch saemtliche Moslems und Hindus etwa sein. Deswegen: jedem seine Meinung. Aber man sollte sich nicht anmassen zu entscheiden, was richtig oder vorbildlich ist und was nicht.

  3. 3Andersreisender

    Also was die “Rangfolge” betrifft, gebe ich Dir vollkommen Recht. Wieso Huhn aber keinen Hund essen? Wir hatten erst gestern die Diskussion, ob ich auf einer Chinareise Hundefleisch kosten würde. Ja, würde ich. Testen. Vorausgesetzt es gehört dort zur regionalen Küche. Wie Du schreibst, gibt es in China ja regional große Unterschiede. Ist ja auch ein großes Land.

    Was mir allerdings sehr weh tut ist, wenn ich sehe, dass Tiere schlecht behandelt werden, bevor es zur Schlachtung geht. Sowohl bei Rindern als auch bei Hunden. Oder wenn ich an lebende Tiere (zB. Skorpione, Krill) denke, die erst zT. bei lebendigem Leib aufgespießt und dann in heißem Fett gebraten werden. Die tun mir ehrlich weh. Aber das gibt es doch auch bei uns in Europa: Froschschenkel und Hummer fallen mir gerade als grausames Beispiel ein.

  4. 4Chineast

    Hallo Gerry,

    Genau daraum ging es mir ja. Tierquaelerei ist absolut unnoetig. Aber das betrifft ja nicht nur Hunde und Katzen, sondern alle Tiere. Und da haben wir es mit besagter Reihenfolge. Die gibt es m.E. nicht. Nicht bei der Behandlung, Schlachtung und auch nicht beim Verzehr. Geschmaecker moegen verschieden sein, aber genau deshalb sollte man niemanden vorschreiben, was er zu essen hat und was nicht.

    Gruesse!

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