Im Kino

Freitag, 9 Oktober 2009, 22:50 | Kategorie : Stories |
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Als C(h)ineast interessiert mich der chinesische Filmmarkt ja ganz besonders. Daher freut es mich nach langer Zeit mal wieder etwas zu diesem Thema schreiben zu koennen. Was ist also passiert?

Eigentlich nichts Besonderes. Sollte man zumindest meinen. Der Michael Jackson-Konzertfilm “This is it” kommt ab dem 30.Oktober 2009 in die chinesischen Kinos. Das ist also passiert. Und dies ist durchaus etwas Besonderes, denn damit gehoert der Film zu den wenigen ausgewaehlten auslaendischen Produktionen, die dieses Jahr in China gezeigt werden duerfen.

Die Eintrittsbarierren in den chinesischen Markt sind zwar fuer alle auslaendischen Industrien recht hoch, aber fuer die Filmwirtschaft ganz besonders. Denn zum einen ist da die Importquote, dernach pro Jahr maximal 20 auslaendische Filme den Weg in die chinesischen Lichtspielhaeuser finden. Und zum anderen muessen diese sich dann auch noch ihr Einspielergebnis mit den Chinesen teilen. Wobei teilen noch besser klingt als es tatsaechlich ist: Gerade einmal 13 bis 17,5 Prozent der Bruttoeinnahmen bleiben fuer die auslaendischen Studios bzw. Produzenten.

Nun waere das wahrscheinlich noch ziemlich leicht zu verschmerzen, befaenden wir uns im Jahr 2001. Zwar war China zu diesem Zeitpunkt noch nicht der WTO beigetreten und es durften daher sogar nur 10 auslaendische Filme pro Jahr gezeigt werden, aber die Umsatzzahlen der chinesischen Kinos waren damals auch noch “Peanuts”.

Seitdem hat sich jedoch einiges getan: Die Einkuenfte an den Kinokassen haben sich seit 2003 beinahe verfuenfacht und lagen 2008 bei 4,3 Milliarden RMB (etwa 430 Mio. Euro). Verglichen mit dem amerikanischen Markt (9,8 Milliarden Dollar in 2008) ist das zwar noch wenig. Und auch in Deutschland wird mit knapp 800 Mio. Euro noch mehr umgesetzt. Doch wie gesagt, der chinesische Markt befindet sich im rasanten Wachstum: Seit 2002 entstehen in China pro Tag 1,5 neue Kinos bzw. “Screens”, womit Ende 2008 bereits ueber 4.000 existierten.

Nun muss man sich fragen, ob bei diesem boomenden Markt eine Import-Quote ueberhaupt noch Sinn macht. Schliesslich geht ja wie oben erlaeutert der Grossteil der Einnahmen auch von auslaendischen Produktionen an die “Gastgeber”. Wirtschaftliche Gruende stehen aber gar nicht so sehr im Vordergrund wie vielmehr protektionistische. Denn man hat die Sorge, dass Hollywood den einheimischen Produktionen – im wahrsten Sinne des Wortes – die Show stiehlt.

Der erfolgreichste Film in den chinesischen Kinos ist bis dato “Transformers – Die Rache” mit einem Einspielergebnis von 400 Mio. RMB. Dahinter befindet sich “Titanic” (360 Mio. RMB), der in Deutschland mit knapp 120 Mio. Euro nach wie vor an Nr.1 steht.

Doch zeichnet sich auch hier ein Wandel ab: Sowohlt “Titanic” als auch “Transformers” duerften in wenigen Tagen von der chinesischen Produktion “The Founding of a Republic” ueberholt werden. Der mit so ziemlich allen chinesischen Stars besetze Blockbuster laeuft anlaesslich des 60jaehrigen Bestehens der Volksrepublik China aktuell in den Kinos und hat bislang bereits 330 Mio. RMB eingespielt – Tendenz weiter steigend!

Vielleicht gibt es dann ja auf beiden Seiten Grund zur Freude: auf der einen ueber den neuen Box-Office-Rekord, auf der anderen ueber eine Lockerung der 20er-Quote. Bis dahin freuen wir uns aber erstmal gemeinsam auf den Michael Jackson-Film “This is it”, denn der King of Pop war, ist und bleibt in China gleichermassen beliebt wie ueberall anders auf der Welt.

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4 Kommentare for “Im Kino”

  1. 1Benem

    Auf: “The founding of a Republic” freue ich mich ja auch schon.
    Ich werde ihn mir als chinesische Raupkopie kaufen. Ob die Chinesen sich da irgendwie ins eigene Fleisch schneiden?

    Ben

  2. 2Chineast

    Ich hab’s im Artikel oben mal aussen vor gelassen. Aber natuerlich bekommt man jeden Film – ob amerikanisch, deutsch oder chinesisch – hier auch auf DVD. Und so eine DVD kostet gerade mal 40 Cent bis 1 Euro umgerechnet. Kino hingegen kostet mindestens 5 Euro, meist sogar mehr. Ich glaube, das koennen viele Chinesen sich schlichtweg nicht leisten. Daher ueberschneiden sich die beiden Zielgruppen von Kino und DVD m.E. auch nur sehr bedingt.

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