Das Phänomen der “Homowives”

Dienstag, 4 August 2009, 16:31 | Kategorie : Stories |
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Auf dem englischsprachigen China-Blog shanghaiist habe ich letztens einen interessanten Eintrag gelesen. Dort geht es um die so genannten “Homowives”, Frauen, die mit einem homosexuellen Mann verheiratet sind. Das mag zunaechst nicht allzu aussergewohnlich klingen, denn wahrscheinlich ueberall, wo Homosexuellen mit Intoleranz begegnet wird, fluechten sich einige hin und wieder in den Schein der Ehe.

In China ist dies jedoch keine Randerscheinung, sondern ein Massenphaenomen: Von den geschaetzten 20 Millionen homosexuellen Maennern in China sollen 16 Millionen verheiratet sein.

Die chinesische Sexualforscherin Li Yinhe erklaert dies jedoch nicht allein mit den Repressionen, die homosexuelle Maenner zu fuerchten haben, sondern noch viel allgemeiner mit dem generellen Problem in China unverheiratet zu sein.

In Ungarn beispielsweise wuerden nur 10 Prozent der Menschen im heiratsfaehigen Alter auch tatsaechlich den Bund der Ehe eingehen. Wer also nicht heiraten will, der tut es auch nicht. In China hingegen herrscht ein enormer “Heiratsdruck”. Ledig und kinderlos zu sein ist ab einem gewissen Alter in China mit einem grosses Stigma behaftet. Deswegen erwarten die Familien, dass man moeglichst schnell einen Partner findet, heiratet und Nachwuchs zeugt. Folgt man dieser Tradition nicht, so bereitet dies der Familie grosse Schande. Man verliert das Gesicht – wie es in China heisst.

Fuer die “Homowives”, die Ehefrauen der heimlichen Homosexuellen, ist dies natuerlich genauso tragisch. Auch sie werden von ihren Familien bzw. der Gesellschaft in die Ehe gedraengt – oftmals ohne die Zeit zu haben ihren Partner vorab richtig kennenzulernen. Was folgt sind Selbstzweifel, die Frage, warum der Ehemann sie nun meidet: Sind sie minderwertig, nicht attraktiv genug…? Die Wahrheit ist wahrscheinlich nicht weniger schmerzlich, denn im traditionellen China ist – wie man sich vorstellen kann – auch die Scheidung nicht gerade ein angesehener Weg.

So bleibt vielen der “Homowives” nur die Selbsthilfegruppe, die inzwischen mehr und mehr von ihnen organisiert werden. Sexualforscherin Li Yinhe geht einen Schritt weiter und fordert von den Homosexuellen von einer Heirat abzusehen. Doch damit das passiert, muessen wahrscheinlich zunaechst tolerantere Rahmenbedingungen geschaffen werden. Und das betrifft die komplette Gesellschaft.

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