Daft F***ed

Montag, 16 Februar 2009, 15:46 | Kategorie : Stories |
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Es war alles etwas mysterioes: Daft Punk wuerden zum ersten Mal nach China kommen. Nach Shanghai, irgendwo in Shanghai. Wo genau, das sollte man einen Tag vor dem Konzert erfahren, einen Tag vor Freitag, dem 13. Februar… Per SMS.

Es war aber irgendwie auch plausibel: Sollte man die Karten fuer die China Premiere von Daft Punk etwa ganz bieder beim Ticketversand bestellen – etwa so wie bei Oasis, die klipp und klar gemacht hatten, dass sie am 5.April im Shanghai Grand Theater sein wuerden. Wer dabei sein wollte, koenne sich ja im Internet ein Ticket ordern, oder direkt in einer der offiziellen Verkausstellen vorbeischauen. Und dann ist man am 5.April im Grand Theater, und Oasis sind es auch und gut ist. Ganz normal halt.

Nein, Daft Punk ist Daft Punk. Das ist von Natur aus mysterioes. Muss es, sonst waer es schliesslich nicht Daft Punk. Und ausserdem hatte es solch ein “hidden concert” ja auch schon einmal in Paris gegeben…

Also gab es da nur diese Handy-Nummer. Hierueber wuerde die Location bekanntgegeben, und hierueber wurden auch die wenigen Tickets zum Preis von 500 RMB (ca. 56 Euro) veraeussert. Bekanntgegeben wurde das ganze uebrigens – oder eher: natuerlich – im Facebook. Man musste schnell sein, schnell bei dieser chinesischen Handynummer anrufen, schnell bei einem vereinbarten Treffpunkt erscheinen, zwei nette Chinesinnen oder auch die Organisatoren selbst, zwei nicht ganz so nette Franzosen/Schweizer/Spanier (weiss man nicht so genau), treffen, schnell zahlen, Ticket erhalten, und dann – lange warten. Bis halt die SMS kommt. Oder auch nicht.

Die Franzosen/Schweizer/Spanier (weiss man immer noch nicht so genau) fingen jedenfalls an, sich auffaellig zu verhalten. D.h. sie nahmen keine Bestellungen mehr entgegen. Strenggenommen nahmen sie ueberhaupt keine Anrufe mehr entgegen.

Da kamen dann auch bei den freiwilligen unfreiwilligen Helfern erste Zweifel auf. Ueber Kleinanzeigen waren sie u.a. fuer die Promo sowie die Erstellung einer Website und den Verkauf der Tickets angeheuert worden. Es klang alles so plausibel. Und die Bezahlung war auch gut. Sollte sie sein. Am Freitag, den 13.Februar wuerden sie ihr Gehalt bekommen…

Wuerden sie? Sicherheitshalber beschloss einer der freiwilligen unfreiwilligen Helfer doch mal bei der EMI anzurufen: Daft Punk? Ja. Die sind im Studio. In Los Angeles.

Die Nachricht verbreitete sich schnell und alsbald formierte sich im Facebook eine Gruppe mit dem Namen “Daft Fucked” (”The name of the group might sound hard, but we are angry!”), wo sich die Geprellten zunaechst gegenseitig troesten konnten, um dann gemeinsam in den Krieg zu ziehen – auf der Jadg nach den Betruegern. 270 Mitglieder zaehlt die Gruppe inzwischen, 500 Tickets wurden nach juengsten Erkenntnissen verkauft. Macht fuer die Betrueger immerhin einen Gewinn von knapp 30.000 Euro.

Ob sich die beiden Raedelsfuehrer noch in China aufhalten, weiss man nicht. Die Ermittlungen laufen. Nachdem die Gruppe aehnlich aussehende und klingende Schweizer im Facebook aufgespuert hat, und diese Spuren zwar zu jede Menge falschen Anschuldigungen, aber letztendlich doch ins Nichts fuehrten, kuemmert sich nun die Chinesische Polizei um die Angelegenheit.

Die Gannoven wurden von einer Ueberwachungskamera des Immobilienmaklers gefilmt, als sie sich fuer kurze Zeit ein Buero mieteten, und so existieren zumindest Bilder als erste Anhaltspunkte. Die Handynummer war eine einfache Prepaid-Karte, die man an jeder Strassenecke kaufen kann und fuer die es keiner Registrierung bedarf. Die Namen der beiden Schweizer/Franzosen/Spanier findet man zwar inzwischen auf einer Fanseite im Facebook wieder, aber auch hier duerfte die Spur ins Leere fuehren. Andy Da Sylva und Thomas Ramirez, so stellten sich die beiden ihren Helfern vor, scheint die kreative Kombination verschiedener franzoesischer Comedy-Charaktere zu sein.

Kreativ sind die beiden. Das muss man ihnen wohl lassen. Auch wenn natuerlich zu hoffen bleibt, dass sie den Fahndern bald ins Netz gehen. Wir bleiben am Ball.

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