Landflucht?? China im Farming-Fieber

Freitag, 30 Oktober 2009, 22:46 | Kategorie : Stories |
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Online Farming Games in China

Die Realitaet sieht so aus, dass in China immer mehr Bauern das Land verlassen, um in den Staedten ihr Glueck zu suchen. Kein Wunder, betraegt das jaehrliche Pro-Kopf-Einkommen auf dem Land doch gerade einmal umgerechnet 500 Euro. Und das auch nur, weil ein Grossteil dieser Einkuenfte durch Wanderarbeiter erzielt wird, die sich die meiste Zeit des Jahres eben in den Staedten verdingen.

In der Virtualitaet aber, sprich im Internet, ist der aktuelle Trend ein ganz anderer – wenn auch nur spielerischer Natur. Die Chinesen sind naemlich einem Online-Spiel verfallen, bei dem man seine eigene Farm managt.

Ich habe zwar letztens auf off the record gelesen, dass auch die Deutschen sich im Internet neuerdings gerne als Bauern betaetigen, aber in China ist das Online-Spielvergnuegen zu einem Massenevent, einem regelrechten Volkssport ausgeartet.

Bei diesen Online Farming Games verwaltet man wie gesagt seine eigene kleine Landwirtschaft. D.h. man pflanzt Kohl, erntet Mais, zuechtet Huehner, legt neue Felder an und pflanzt noch mehr Kohl… Und wie sich das fuer’s Web 2.0 gehoert, schliesst man natuerlich auch Bekanntschaften mit benachbarten Farmern und misst sich mit diesen im Wettkampf. Dabei muss es nicht immer ganz fair zugehen, denn man kann seine Freunde Konkurrenten auch beklauen.

Das erste Spiel dieser Art in China war Happy Farm, gelauncht Ende letzten Jahres im Social Network RenRen. Inzwischen gibt es zahlreiche Nachahmer, u.a. innerhalb der Online-Communitys Kaixin Wang, 51.com und QQ Zone.

Es wird geschaetzt, dass sich insgesamt 30 Millionen Chinesen taeglich um ihre virtuelle Farm kuemmern. Zum Vergleich: Bei Facebook, wo das Spiel FarmVille heisst, sind es weltweit “nur” 23 Millionen.

Und die Chinesen nehmen das Farm-Vergnuegen verdammt ernst. Gut die Haelfte der chinesischen Online-Farmer soll taeglich mehr als 5 Stunden mit dem Spiel verbringen.

“Und wieviel Gemuese hast du heut schon geklaut?” hat sich sogar schon als Redewendung unter jungen Chinesen etabliert. Dabei ist mit dem Diebstahl von virtuellem Gemuese nicht zu spassen: Eine Frau schaltete ihrer langjaehrigen Freundin und Nachbarin juengst entzuernt den Strom ab, weil diese im Onlinespiel – dort war man ebenfalls benachbart – sich erdreistet hatte, ein paar Moehren zu klauen. Wobei das noch harmlos ist, denn Leute sollen schon ihren Job wegen dem Spiel verloren haben, gar Ehen zerstoert worden sein.

Es verwundert einen also kaum, wenn die Tageszeitung Shanghai Daily, in Spielen wie Happy Farm und Co einen Faktor ausgemacht hat, der wesentlich zu der Internetsucht beitraegt, unter der Schaetzungen nach 16 Millionen Chinesen leiden.

Via: VentureBeat

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2 Kommentare for “Landflucht?? China im Farming-Fieber”

  1. 1Andersreisender

    Da muss ich sofort an Anno 1602 & Co. denken – denn dort wird ja auch allerhand angebaut. Und wenn der Boden schlecht ist, dann wächst umso weniger.

    Also bei bis zu 5 Stunden “virtuellem” Gartenarbeiten kann man in der selben Zeit schon einiges an “realem” GemĂĽse anbauen. Ich denke, dass man dafĂĽr nicht so viel Zeit benötigt ;-)

  2. 2Chineast

    Ich glaub, die leben da einfach ihren Traum vom eigenen Garten… :-)

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