Avatar und Angebot und Nachfrage

Dienstag, 12 Januar 2010, 0:02 | Kategorie : Stories |
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Avatar in den chinesischen Kinos

Wie ueberall auf der Welt bricht der Film Avatar auch in China alle Rekorde. Nicht nur, dass der Blockbuster hier den erfolgreichsten Kinostart aller Zeiten hingelegt hat. Nein, aus den Einnahmen des Eroeffnungstags in Hoehe von umgerechnet etwa 5 Millionen US Dollar wurden binnen einer Woche sogar bereits ueber 40 Millionen US Dollar. Damit ist James Camerons Werk auf dem besten und schnellsten Wege Transformers – Die Rache als bis dato erfolgreichsten Film in China vom Thron zu stossen. Dieser hatte innerhalb einiger Monate etwa 59 Millionen Dollar eingespielt.

In erster Linie wird dies die China Film Group freuen. Denn die ist nicht nur der lokale Vertriebspartner im Reich der Mitte, sondern bekommt – nach chinesischem Recht – auch den Loewenanteil der Einnahmen. Fuer das Studio Twentieth Century Fox bleiben demnach nur 15 Prozent, womit man aber wohl in Anbetracht der Zuschauerrekorde auch nicht gaenzlich unzufrieden sein wird.

Hollywood hat es in China aber generell nicht einfach. Noch im Dezember hatte James Cameron deswegen bei einem Besuch in Peking fuer die Aufhebung einer Importquote geworben, dernach namelich nicht mehr als 20 auslaendsische Filmproduktionen pro Jahr in den chinesischen Kinos gezeigt werden duerfen. Avatar ist davon freilich nicht betroffen, dafuer hatte der Film aber mit einem anderen Hindernis der chinesischen Art zu kaempfen.

So war die China-Premiere von Avatar kurzfristig von Samstag auf Montag verschoben worden, womit man moeglicherweise den einheimischen Kinofilmen – u.a. Zhang Yimous A simple noodle story – noch ein letztes lukratives Wochenende ohne aussichtslosen Kampf gegen den maechtigen Hollywood-Blockbuster bescheren wollte. Dem Hype um Avatar hat dies jedoch offensichtlich nicht geschadet.

Dennoch freuen sich nicht alle ueber die scheinbar grenzenlose Nachfrage nach Avatar-Tickets. Denn die Nachfrage bestimmt ja bekanntermassen das Angebot. Ja. Auch in China.

Die Nachfrage ist naemlich dermassen gross, dass sich die Chinesen nicht scheuen bei Minusgraden vor den Kinos auszuharren, um eines der begehrten Tickets zu erhaschen. In chinesischen Internetforen heisst es gar, dass man fuer eine Vorstellung in einem der wenigen IMAX-Kinos besser vor 7 Uhr morgens auftaucht, denn spaeter waere es fuer ein Ticket bereits zu spaet!

Und weil die Nachfrage so gross ist, haben die geschaeftstuechtigen Kinobesitzer mittlerweile das Angebot angepasst. Die ohnehin bereits teuren Kartenpreise wurden beispielsweise in Peking fuer diese Woche von 130 auf 160 RMB erhoeht. In Shanghai liegen sie nun sogar schon bei 200 RMB. Und im Internet werden die Tickets fuer bis zu 700 RMB gehandelt… Das ist in China verdammt viel Geld.

Und so ist es nur allzu verstaendlich, dass die Begeisterung bei vielen in Wut umschlaegt. Gar von Boykott ist schon die Rede. Selbst in den USA, so schimpft man in den Internetforen, wuerde ein Ticket schliesslich nur 13 Dollar (umgerechnet 90 RMB) kosten – und das, obwohl die Amerikaner ein vielfaches verdienen!

Ich habe den Film uebrigens auch noch nicht gesehen. Eigentlich wollte ich am vergangenen Wochenende gehen. Das hat schonmal nicht geklappt. Jetzt hatte ich mir den kommenden Donnerstag vorgenommen. Mit der kompletten Firma wollten wir uns Avatar anschauen. Die Frau von der Ticket-Hotline meinte allerdings, wir sollten besser bis Feburar warten… Naja, Vorfreude ist ja bekanntlich die schoenste Freude. Und Geduld eine Tugend. Sagt man.

via: ChinaHush, The Hollywood Reporter, Los Angeles Times

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